MAZ 13.02.2008
„Wir sind eben keine Politiker“
Andreas Hochgesang über die Großziethener Bürgerinitiative, Busverbindungen und die Kommunalwahl
MAZ: Dass wieder Busse nach Berlin fahren, ist ein Erfolg der Bürgerinitiative. Sind Sie zufrieden?
Andreas Hochgesang: Natürlich, weil wir das für die Großziethener erreicht haben.
Aber die Lage ist nicht wirklich besser geworden, weil andere Linien „ausgedünnt“ wurden, zum Beispiel in Waßmannsdorf und Kleinziethen. Dort fahren jetzt weniger Busse als vorher. Nehmen Sie das
hin?
Hochgesang: Das war in dem Bus-Konzept nicht absehbar. Als wir die Fahrpläne im Dezember erstmals sahen, haben wir das sofort gemerkt. Es muss unbedingt nachgebessert werden. Wir fordern, dass der
Fahrplan bedarfsorientiert gestaltet wird.
Haben die Fahrplanänderungen von Anfang Februar nicht gereicht?
Hochgesang: Nein. Wir haben die Auswirkungen analysiert und festgestellt, dass es besonders auf der geänderten Linie 736 viele Verschlechterungen gibt. Allerdings ist sie grundsätzlich eine
Bereicherung für Großziethen, weil es fast halbstündig eine Verbindung zu zwei U-Bahnhöfen in Berlin gibt. Die Änderungen bei den Linien 735 und 734 sind überwiegend positiv. Aber auch da gilt,
dass die Fahrtzeiten so sein müssen, dass die Leute das Angebot auch nutzen können. Im Moment ist das teilweise nicht der Fall.
Aber im Prinzip ist diese Arbeit erledigt. Warum macht die Initiative trotzdem weiter?
Hochgesang: Wir haben überlegt, ob sich lohnt, sich auch für andere Dinge einzusetzen, die unseren Ort betreffen. Wir sind der Meinung, dass es sich lohnt und dass es wichtig ist, sich
einzubringen. Außerdem sind wir angesprochen und gebeten worden, weiter zu machen.
Kümmert sich der Schönefelder Gemeinderat zu wenig um Großziethener Belange?
Hochgesang: Bei der Buslinie hat er sich jedenfalls nicht verantwortlich gefühlt. Bei der Kitabetreuung ist es ähnlich. Wir fordern flexiblere Betreuungszeiten bis 22 Uhr sowie die Möglichkeit für
die Eltern, zusätzlich Tagesmütter für Spätbetreuung zu nutzen. Das ist mit der bestehenden Satzung nicht möglich. Auch eine Betreuung am Wochenende muss möglich sein. Gerade im Flughafenumfeld ist
das wichtig, viele Eltern arbeiten in Schichten und an den Wochenenden. Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Kinder bei der Familie unterzubringen. Die Qualität der Betreuung darf aber nicht
darunter leiden, das bedeutet, die Gemeinde wird Geld in die Hand nehmen müssen, um zum Beispiel weitere Erzieherinnen einzustellen.
Bürgermeister Udo Haase hat angekündigt, dass er den Bedarf feststellen und gegebenenfalls eine weitere Spät-Kita neben Waßmannsdorf einrichten will. Reicht Ihnen das nicht?
Hochgesang: Bisher ist aber noch nichts passiert. Wir haben den Eindruck, dass die Gemeinde sich nicht wirklich darum kümmert. Dabei wäre es gerade für Großziethen wichtig, gute Bedingungen zu
schaffen, auch beim Busverkehr. Die Einwohnerzahl wird sich in den nächsten sechs Jahren auf 12000 verdoppeln. Die längere Öffnungszeit der Waßmannsdorfer Kita bringt den Großziethenern nichts. Es
wäre gut, das Thema mit der Gemeinde, den Kitas und den Tagesmüttern zu diskutieren. Wir würden dazu gern eine gemeinsame Informationsveranstaltung machen.
Dass Großziethen dieses Jahr doch schnellere DSL-Internetanschlüsse bekommen soll, ist mit ein Verdienst der Bürgerinitiative. Warum kritisieren Sie trotzdem die Vereinbarung der Gemeinde mit der
Telekom?
Hochgesang: Uns ist das nicht transparent genug. Es ist nur bekannt, dass die Gemeinde sich mit 94000 Euro an den Kosten beteiligen will. Wie genau der Vertrag aussieht, wird verheimlicht. Es ist
zum Beispiel nicht klar, ob die Telekom tatsächlich die Anschlüsse bereitstellen wird. Wenn die Gemeinde so viel Geld ausgibt, müssen die Bürger erfahren, zu welchen Bedingungen das passiert.
Der Bürgerinitiative wird vorgeworfen, oft zu poltrig vorzugehen, zum Beispiel bei Attacken gegen die Gemeinde. Sind Sie „militant“?
Hochgesang: Wir sehen uns nicht so, und wir beißen auch nicht. Außerdem: wenn es so wäre, würde der Bürgermeister kein Wort mit uns reden. Er spricht aber mit uns und nimmt uns wahr, im Gegensatz
zum Fraktionschef der Wählergemeinschaft AfE im Gemeinderat. Wir stellen aber fest, dass man bestimmte Themen anfassen und öffentlich machen muss, das machen wir. Wir sind eben keine Politiker,
sondern wir fragen uns: wollen wir das? Wenn ja, packen wir es einfach an.
Das machen die Gemeindevertreter doch auch?
Hochgesang: Mich stört, dass bei den Gemeindevertretersitzungen fast alle immer die Hand heben. Es gibt kaum mal eine Gegenstimme und wenig Diskussionen.
Das zeugt doch eher von guter Arbeit in den Fachausschüssen. Was ist daran schlecht?
Hochgesang: Mag sein, dass es da Diskussionen gibt, aber die Mehrheitsverhältnisse sind dort ja ähnlich. Als Außenstehender möchte ich Entscheidungen aber auch verstehen können. Da wünsche ich mir
mehr Erklärungen und auch Debatten bei den öffentlichen Sitzungen.
Für wie viele Großziethener spricht die Initiative?
Hochgesang: Wir haben 12 Mitglieder und rund 30 Unterstützer. Der Zuspruch in der Bevölkerung ist aber weitaus größer, wie die Resonanz bei unseren Veranstaltungen zeigt.
Wird die Bürgerinitiative im September zur Kommunalwahl antreten?
Hochgesang: Wir werden keine eigene Liste aufstellen, aber einige unserer Mitglieder werden möglicherweise kandidieren.
Werden Sie sich um ein Gemeinderatsmandat bewerben?
Hochgesang: Ich werde wahrscheinlich kandidieren, auch für den Kreistag.
Für eine Partei?
Hochgesang: Ich bin von einer Volkspartei angesprochen worden, aber ich will mich nicht in ein Parteienkorsett zwängen lassen. Wenn einer Partei ein Thema nicht passt, wird es womöglich nicht
angefasst. Das ist nicht mein Verständnis von Demokratie.
Dann bilden Sie eine neue Bürgerliste?
Hochgesang: Das steht noch nicht fest. Es gibt viele Möglichkeiten, schauen wir mal.
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